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Sonderveröffentlichung

DAS ist meine Börde
4 Fragen an Frank Frenkel

21.06.2019
Frank Frenkel. Foto: Gemeinde
Frank Frenkel. Foto: Gemeinde

Bürgermeister der Verbandsgemeinde Obere Aller

1. Im Herbst dieses Jahres blicken wir auf 30 Jahre friedliche Revolution zurück. Wie hat sich das Leben für Sie persönlich dadurch verändert?

Der Fall der Mauer liegt nun bald 30 Jahre zurück. Ich lebe also länger im wiedervereinigten Deutschland als in der DDR. Für mich ist es persönlich, wie auch für alle Deutschen und darüber hinaus für alle Europäer, eines der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse überhaupt, ohne Frage.

2. Welche wesentlichen Veränderungen gingen und gehen damit noch immer für die Gemeinden und ihrer Ortsteile einher?

Schauen Sie sich in der Verbandsgemeinde Obere Aller, in der Börde oder in Sachsen-Anhalt um. Die gewaltigen und sichtbaren Veränderungen im Wohnungsbau, die neu entstandenen Wohngebiete, Straßen- und Autobahnen oder bei der dörflichen und städtischen Infrastruktur, die riesigen Veränderungen in unserer Region waren und sind enorm. Ja, leider hat sich auch hier bei vielen ein stückweit „Normalität“ bei der Wahrnehmung dieser „Wende-Effekte“ eingestellt.

3. Wie wichtig ist für die Gestaltung der Zukunft in den Dörfern, auch auf die Historie zu schauen und damit auch Traditionen zu bewahren?

Ohne Historie, ohne Brauchtums- und Traditionspflege, ohne Erinnerungen – kein Gemeinwohl, kein ehrenamtliches Engagement, keine Identität!

4. Welche Traditionen, ob persönlich oder für die Gemeinden, sind Ihnen besonders wichtig?

Auch hier könnte ich unzählige Aktivitäten, Traditionen und Veranstaltungen nennen. Die Volks- und Schützenfeste in den Mitgliedsgemeinden, Burgsommer und Theateraufführungen in unseren Dörfern beispielsweise, die Arbeit in den Heimatvereinen usw… ein bunter „traditioneller Blumenstrauß“ von allem, macht meine, macht unsere Obere Aller aus, und das gilt es zu erhalten!

Bürgermeister von Barleben

Frank Nase. Foto: Gemeinde
Frank Nase. Foto: Gemeinde
1. Im Herbst dieses Jahres blicken wir auf 30 Jahre friedliche Revolution zurück. Wie hat sich das Leben für Sie persönlich dadurch verändert?

Frank Nase: Ich selbst bin 1984 geboren worden. Als junger Kaks war wahrzunehmen, dass große Freude, aber auch ein Stück Verunsicherung herrschte. Besonders waren für mich die ersten Kontakte zu den Verwandten aus dem Westen, die man vorher nur von echten Fotografien und Briefen kannte.

2. Welche wesentlichen Veränderungen gingen und gehen damit noch immer für die Stadt / Gemeinde und ihrer Ortsteile einher?

Frank Nase: Das Abenteuer Kindheit wurde noch größer, bunter und mitunter auch verrückter. Barleben als klassisch ländlicher Raum, schickte sich nun an, ein Wirtschaftsstandort zu werden. Ich kann mich an Staus erinnern und abziehende sowjetische Truppen aus der Heide. Jeder Panzer, jedes Militaria, welches hindurch wollte, war wie eine weitere Befreiung und sollte Sicherheit und Stabilität bringen.

3. Wie wichtig ist für die Gestaltung der Zukunft in den Städten und Dörfern, auch auf die Historie zu schauen und damit auch Traditionen zu bewahren?

Frank Nase: Traditionen sind für mich essentiell. Nur wer weiß, wo er herkommt, kann halbwegs erahnen, wo ihn die (positiv) ungewisse Zukunft hinbringt.

Das Gestalten des Morgen und des Übermorgen sind mein täglicher Ansporn. Meine Kinder und hoffentlich dann auch die Enkel sollen in einem Land und auf einem Kontinent ohne Krieg leben und wirken können. Aus diesem Grund ist mir das Friedensprogramm Europol so wichtig. Ohne die Sicherheit und Stärke sähe eine Zukunft weniger rosig aus.

4. Welche Traditionen, ob persönlich oder für die Stadt, sind Ihnen besonders wichtig?

Frank Nase: Mir sind die Feste wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten, das Martinsfest und vieles mehr sehr wichtig. Hier kommen Menschen zusammen, die sich mögen, die Nachbarn, Verwandte und auch Bekannte sind, und erleben bewusst eine gemeinsame Zeit. Sie schauen gemeinsam in die Vergangenheit und sinnieren, philosophieren und/ oder streiten, was die Zukunft bringt.

Diesen Austausch halte ich für zunehmend wichtiger! In Zeiten, wo in Youtube–Channels jeden Tag die Zerstörung der Welt propagiert wird, vermisse ich das Miteinander, das gemeinsame Sprechen und das Diskutieren, das gemeinsame Entwickeln von Plänen und Visionen einer anderen, gern auch besseren Zukunft miteinander.

Hätten unsere Vorfahren nur Trübsal geblasen, wären wir nun nicht da, wo wir sind. Und das ist Fakt, Deutschland ist eine bedeutende Nation im Herzen eines wichtigen Kontinents. Uns geht es hier gut, und damit es vielleicht noch besser wird, braucht es auch in Zukunft gemeinsame Anstrengungen.

Vor 100 Jahren

Plantagenbesitzer stellte Spitzbuben

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Samswegen (mbu). Unter dem Stichwort „Frecher Diebstahl“ berichtete das Wochenblatt am 6. September 1918 darüber, wie Diebe schnell gestellt wurden: „Am hellen Tage unter Mittag drangen am Dienstag zwei Männer in die eingefriedigte Plantage des Besitzers B. ein, füllten ihre Rucksäcke mit den prächtigen Äpfeln und keuchten unter der schweren Last nach Wolmirstedt.

Der Besitzer aber hatte den Diebstahl bemerkt, setzte sich auf sein Rad und überholte die Spitzbuben.

Der sofort herbeigerufene Polizeisergeant hielt die Diebe an, den Inhalt der Rucksäcke wollten sie gekauft haben, was jedoch von dem Bestohlenen sofort widerlegt wurde. Die Diebe wurden verhaftet, beim Abtransport in der Samswegerstraße gelang es ihnen jedoch zu entfliehen, sodass erst einige abgegebene Schreckschüsse den jüngeren Ausreißer zum Stehen brachten. Beide Diebe wurden namhaft gemacht und der Verhaftete dem Untersuchungsgefängnis zugeführt.“ Nachgelesen werden kann die Meldung im Kreis- und Stadtarchiv in Haldensleben.
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