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DAS ist meine Börde
4 Fragen an Sabine Wendler: stellvertretende Bürgermeisterin von Haldensleben

21.06.2019
Sabine Wendler, Stellvertretende Bürgermeisterin von Haldensleben Foto: Archiv
Sabine Wendler, Stellvertretende Bürgermeisterin von Haldensleben Foto: Archiv


1. Im Herbst dieses Jahres blicken wir auf 30 Jahre friedliche Revolution zurück. Wie hat sich das Leben für Sie persönlich dadurch verändert?

Für mich haben sich in 1990 sehr große Veränderungen eingestellt. Ich war Planungsleiter im VEB Katro, auch bekannt als Bollenbude. Unabhängig davon, dass jeder glaubte, man braucht keine Planung mehr, ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte, waren die Überlebenschancen von Katro nicht sehr groß, Auch diese Vermutung wurde leider sehr schnell zu einer Gewissheit.

Ich habe mich also sehr schnell nach einer neunen Tätigkeit umgeschaut. So bewarb ich mich auch auf eine Stellenausschreibung der Stadt Haldensleben, in der die Stelle des Stadtkämmerers neu zu besetzen war. Ich habe mich also beworben, hatte die Möglichkeit erhalten, mich im ersten freigewählten Stadtrat vorstellen zu dürfen und mit wurde die große Chance geben auch tatsächlich diese Funktion ausüben zu dürfen. Dafür bin ich heute noch allen Mitgliedern des Stadtrates dankbar, die mir damals ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir waren eine junge, überwiegend auch völlig neue Besetzung in der Stadtverwaltung. Damalige Freiräume haben wir genutzt, um die Stadt voranzubringen. Sei es in wirtschaftlicher, kultureller oder sozialer Hinsicht gewesen. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, so hatten wir damals wenig Erfahrung aber den festen Willen die Dinge für die Stadt zu bewegen. Wir hatten viel Stress, aber auch große Erfolge, wie z.B. die Ansiedlung von OTTO oder auch den Anfang der Sommermusikakademie auf Schloss Hundisburg. Die hohe Arbeitsbelastung ist geblieben, nur ist die damalige Unbekümmertheit gewichen. Heute sind wir viel stärker in Regularien eingebunden und auch der einheitliche Wille des Stadtrates, etwas positiv im Sinne von Haldensleben zu bewirken, ist oft in die Austragung von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Fraktionen abgeglitten. Ich hoffe, dass der neue Stadtrat wieder im Sinne der 90-iger Jahre agieren wird, die getätigen Wahlaussagen geben hier Anlass zur Hoffnung.

2. Welche wesentlichen Veränderungen gingen und gehen damit noch immer für die Stadt/Gemeinde und ihrer Ortsteile einher?

Die Stadt steht heute wirtschaftlich relativ stark da. Der Ansiedlung von Otto sind andere wie Euroglas und Hövelmann gefolgt. Aber auch die heimische Wirtschaft konnte sich positiv entwickeln. Ich denke hier unter anderem an den Maschinenbau Ebel, das Transportunternehmen Kinast und die vielen anderen kleinen und mittleren Unternehmen sowie Handwerksbetriebe, die ein wesentlicher Teil der Wirtschaftskraft unserer Stadt sind.

Wir haben unser Stadtbild deutlich verbessern können. Marktplatz, Hagenstraße und der Bahnhof mit Busbahnhof wurden neu gestaltet.

Kulturelle Akzente werden unter anderem durch die umfangreichen Aktivitäten der Kulturfabrik aber auch durch die Sommermusikakademie gesetzt. Wobei die Akademie dank des Wirkens von Professor Ahrends und des heutigen künstlerischen Leiters, Herr Klump, internationale Beachtung findet. Für eine Kreisstadt wie Haldensleben ist dies wohl eher nicht alltäglich. Ich will auch nicht die vielen privaten Initiativen vergessen, die unser kulturelles Leben so vielfältig gestalten. Hier denke ich unter anderem an die Konzertveranstaltungen unseres Ehrenbürgers, Kurt Hegners, die Veranstaltungen der Seniorenhilfe oder aber auch an die Künstlergilde. Besonders erwähnen will ich das soziale Engagement des Kinderschutzbundes und der sozialen Einrichtungen der Stadt. Hier wird gelebt, was viele unter Nächstenliebe verstehen. Das, was sich in der Stadt zeigt, ist auch in den Ortsteilen wiederzufinden. Ich kann hier auf ein sehr umfangreiches Vereinsleben verweisen. Es ist immer wieder erfreulich zu erleben, mit welchem Engagement zum Beispiel die Weihnachtsmärkte oder die Karnevalsaison in den Ortsteilen vorbereitet und durchgeführt werden. Auch das Erscheinungsbild der Ortsteile hat sich durch private Initiative und umfängliche Investitionen der Stadt sehr positiv entwickelt.


3. Wie wichtig ist für die Gestaltung der Zukunft in den Städten und Dörfern auch auf die Historie zu schauen und damit auch Traditionen zu bewahren?

Eine Zukunft ohne die Historie und Traditionen ist für mich nicht denkbar. Wir haben unter anderem sehr traditionsverhaftete Vereine, wie den Schützenverein und den Rassegeflügelzuchtverein 1888. Auch kann Haldensleben auf Handwerks- und Gewerbebetriebe verweisen, die bereits über Generationen von den gleichen Familien geführt werden. Wir haben allerdings auch neue Traditionen schaffen können, die in der Bevölkerung bereits recht tief verwurzelt sind. Dazu zählen zum Beispiel das Altstadtfest, das Gertrudium in Althaldensleben aber auch unser kleiner aber sehr schöner Weihnachtsmarkt, zu dem von den Stadtwerken eine sehr beliebte Eisbahn gesponsert wird.

4. Welche Traditionen, ob persönlich oder für die Stadt, sind Ihnen besonders wichtig?

Es ist nicht einfach für mich zu sagen, diese oder eine andere Tradition ist für mich besonders wichtig. Natürlich ist die Sommermusikakademie für mich immer ein kultureller Höhepunkt im Jahr, zu dem auch meine Freunde aus Thüringen zu Besuch kommen. Für mich persönlich gehören das alljährliche Kinderfest der Stadt und das Kinderfest, das vom Kinderschutzbund veranstaltet wird, zu den bewegendsten Veranstaltungen des Jahres. Kinder sind unsere Zukunft und es ist schön zu erleben, wie sie zeigen, was sie gelernt haben und wie man ihnen Freude bereiten kann. Ein Blick in freudige Kinderaugen entschädigt für die viele Mühe und den damit verbundenen täglichen Stress.
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