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Sonderveröffentlichung

Kliniken 2020
Die Angst vor der Blamage

28.09.2020
Rückzug und Selbstisolation – damit reagieren oft Menschen, die unter einer Sozialen Phobie leiden. Foto: AOK Mediendienst
Rückzug und Selbstisolation – damit reagieren oft Menschen, die unter einer Sozialen Phobie leiden. Foto: AOK Mediendienst

Soziale Phobie - Wenn Schüchternheit zur Panik wird

Vor Menschen zu sprechen, war für ihn wesentlich schlimmer, als eine Gletscherspalte zu überqueren: Der berühmte Südpolforscher Robert Scott litt Zeit seines Lebens an einer Sozialen Phobie.

Zentrales Merkmal dieser Erkrankung ist die Angst, sich in Gesellschaft anderer Menschen falsch zu verhalten und negativ beurteilt zu werden. Körperliche Begleitsymptome können Schwitzen, Zittern, Erröten, Atemnot, Herzrasen, Übelkeit, Durchfall bis hin zu Panikattacken sein. Die gute Nachricht: Eine Soziale Phobie ist behandelbar. Eine psychotherapeutische Behandlung und Medikamente können helfen. Studien zufolge verbessern sich die Symptome bei bis zu zwei Dritteln der behandelten Patienten.

Die Soziale Phobie gehört zu den Angststörungen und ist nach Alkoholabhängigkeit und Depression eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes leiden zwei bis drei Prozent der Menschen in Deutschland unter einer Sozialen Phobie. Wobei die Erkrankung meist im Jugendalter beginnt, seltener nach dem 25. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Bei der Entwicklung spielen mehrere Faktoren eine Rolle: eine angeborene Veranlagung, der Erziehungsstil der Eltern, erlernte Einstellungen und Verhaltensweisen oder unangenehme Erfahrungen mit anderen Menschen. „Manchmal gibt es ein Schlüsselerlebnis. Das kann zum Beispiel eine peinliche Situation in der Schule sein, wenn die Frage des Lehrers nicht beantwortet werden konnte und Mitschüler darüber gelacht haben oder bei einem Meeting, wenn Kollegen oder Vorgesetzte an der Person Kritik üben. Die Angst, sich auch künftig zu blamieren, kann dann übermächtig werden“, sagt Dr. Astrid Maroß, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie im AOK-Bundesverband.

Betroffene meiden Kontakt

Dabei geht diese Form der Angststörung weit über einfache Schüchternheit hinaus. „Schüchternheit zeigt sich eher als eine leichte Befangenheit anderen gegenüber. Die Folge können Zurückhaltung und leichtere Vermeidungstendenzen sein“, erklärt Ärztin Maroß. „Menschen mit sozialer Angst leiden deutlich stärker an körperlichen Angstsymptomen wie Zittern, Schwitzen oder Übelkeit. Sie haben auch viel mehr Angst, von anderen abgelehnt oder kritisiert zu werden, obwohl sie wissen, dass die Befürchtungen unrealistisch hoch sind.“ Das geht so weit, dass die Betroffenen sich zurückziehen und vermeiden, an Partys, Konferenzen oder Fortbildungen teilzunehmen, vor anderen Personen zu sprechen oder in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken. Dadurch entstehen reale Probleme im beruflichen Zurechtkommen, in der Partnerschaft und im Sozialleben. „Dieses Vermeidungsverhalten führt dann zu weiterem Selbstwertverlust und sozialer Isolation. Viele erkranken dann zusätzlich noch an Depressionen oder entwickeln ein Suchtverhalten“, so Dr. Maroß.

Erkrankung ist gut behandelbar

Wird eine Soziale Phobie nicht behandelt, kann sie oft ein Leben lang andauern. Viele Menschen denken, es seien unveränderliche Charakterzüge. Dabei lässt sich diese Erkrankung mit einer Verhaltenstherapie in der Regel so in den Griff bekommen, dass das alltägliche Leben wieder gut funktioniert. In einigen Fällen können auch Medikamente verschrieben werden. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft ebenfalls: Menschen mit Sozialer Phobie erleben hier, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind und profitieren von den Erfahrungen, die andere bei der Bewältigung ihrer Ängste gemacht haben. Unterstützung bieten zahlreiche Selbsthilfegruppen, eine bundesweite Übersicht findet sich auf der Webseite des Selbsthilfeverbandes für Soziale Phobie (VSSP e.V.). (ams), Quelle: AOK

Mangelernährung im Alter

Mangelernährung gilt als eine der häufigsten und am wenigstenbeachteten Krankheiten im Alter. Foto: stock.adobe.com
Mangelernährung gilt als eine der häufigsten und am wenigsten
beachteten Krankheiten im Alter. Foto: stock.adobe.com
In Deutschland gelten rund 1,7 Millionen insbesondere ältere Menschen als mangelernährt. Ältere Menschen essen in der Regel weniger und nehmen so auch weniger an wichtigen Nährstoff en über die Nahrung auf. Jedoch braucht der Körper in jedem Alter Vitamine, aber auch Mineralien und Elektrolyte wie Natrium, Magnesium, Eisen, Zink oder Selen. Wer nicht genug isst, tut seinem Körper keinen Gefallen. Denn so entstehen Defizite. Diese können, zum Beispiel bei den wichtigen Elektrolyten Natrium, Kalium und Magnesium, negative Auswirkungen haben, warnt Dr. Dag Schütz, Chefarzt am ev. Krankenhaus Essen-Werden. Eine Unterversorgung mit dem wichtigen Mineralstoff Natrium, also Kochsalz, könne beispielsweise zu Schwindel, Einschränkungen der Gedächtnisleistung und sogar zu Stürzen führen. Auf Dauer drohen noch größere Probleme: etwa Verwirrtheitszustände, die ihrerseits zu einer geringeren Nahrungs- und damit auch Nährstoff aufnahme führen können. Um dem vorzubeugen, sollte man deshalb regelmäßig sein Gewicht kontrollieren und es konstant halten. Wer dann noch auf ausreichend Nährstoff e und Elektrolyte wie Natrium und Kalium achtet, hat viel getan, um auch im Alter gesund zu bleiben. (mso/14)
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