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Sonderveröffentlichung

Leben mit Behinderung
Eltern sind Experten in eigener Sache

02.12.2019
Die Entwicklung der Kinder ist sehr unterschiedlich und sollte beobachtet werden. Foto: stock.adobe.com
Die Entwicklung der Kinder ist sehr unterschiedlich und sollte beobachtet werden. Foto: stock.adobe.com

Jedes Kind ist einzigartig und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Auch in seiner geistigen Entwicklung geht jedes Kind seinen eigenen Weg. Manche Kinder entwickeln ihre geistigen Fähigkeiten jedoch deutlich langsamer im Vergleich zu Gleichaltrigen oder zeigen in Teilbereichen ausgeprägte Schwächen.

Oft sind es Schwächen oder Störungen in anderen Entwicklungsbereichen - beispielsweise unerkannte Sehschwächen oder Hörstörungen -, die auch die geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Frühzeitiges Erkennen und Behandeln sind deshalb wichtig. Bei manchen Kindern können auch genetische Ursachen oder organisch bedingte Schädigungen des Gehirns vor, während oder nach der Geburt Störungen in der Entwicklung zur Folge haben und die geistige Entwicklung in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigen.

Angesichts der Vielfalt und Bandbreite der kindlichen Entwicklung ist es für Eltern nicht immer einfach festzustellen, ob sich ihr Kind mehr Zeit lässt als andere Kinder seines Alters, oder ob es in bestimmten Bereichen tatsächlich besondere Anregung und fachliche Unterstützung benötigt. Doch letztlich kennen Eltern ihr Kind am besten und haben meist ein gutes Gespür dafür, wenn mit ihrem Kind etwas nicht stimmt.

Lebenshilfe Ostfalen Gmbh

Bei Auffälligkeiten ist fachliche Abklärung nötig

Wann immer Sie sich sorgen und den Verdacht haben, die Entwicklung Ihres Kindes verlaufe insgesamt oder in Teilbereichen deutlich anders als bei gleichaltrigen Kindern, sollten Sie dies bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ansprechen und gegebenenfalls fachärztlich genau abklären lassen.

Durch Ihre gezielte Unterstützung, zum Beispiel im Verbund mit Frühförderung, können Sie Verzögerungen und Auffälligkeiten in der Entwicklung Ihres Kindes häufig gut beeinflussen und mögliche weitere Folgen verhindern oder mildern.

Quelle: dpa

„Wenn erst mal alles anders ist“

„Wenn erst mal alles anders ist“ heißt der neue Ratgeber der Aktion Mensch, der sich gezielt an (werdende) Eltern von Kindern mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung wendet. Die Broschüre bündelthilfreiche Sachinformationen, Tipps von Experten sowie Erfahrungen von Familien, die diese Situation bereits gemeistert haben.

Ein zugehöriges Webangebot auf www.familienratgeber.de/elterninfo bietet weitere Hilfsmittel und Materialien zum Download und Bestellen an.

Die Broschüre ist kostenlos über den Familienratgeber der Aktion Mensch zu beziehen und auch als barrierefreies Download erhältlich. Ergänzt wird der Ratgeber durch zusätzliche Online-Angebote.

Herausgeber: Aktion Mensch e.V. Quelle: www.caritas-os.de

Zeit für Individualität oder Wir sprechen UK

Kevin Lukas (links) und Daniel Krasper arbeiten bei der Lebenshilfe Ostfalen mit sprachlichen Beeinträchtigungen. Foto: Carina Bosse
Kevin Lukas (links) und Daniel Krasper arbeiten bei der Lebenshilfe Ostfalen mit sprachlichen Beeinträchtigungen. Foto: Carina Bosse
Von Carina Bosse

Haldensleben - In einer noch ganz jungen Branche, dem Fachdienst für Unterstützte Kommunikation (UK), sind Daniel Krasper und Kevin Lukas bei der Lebenshilfe Ostfalen beschäftigt. Erst seit dem 1. November gibt es diesen Bereich offiziell und bereits jede Menge zu tun, wie beide Männer versichern. Die Aktion Mensch unterstützt diesen wichtigen Zweig der Arbeit mit Menschen, die nicht oder kaum über Lautsprache verfügen, für die Dauer von fünf Jahren. Unterstützte Kommunikation ist somit der Oberbegriff für alle pädagogischen oder therapeutischen Maßnahmen zur Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen.

Gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen ist es ganz wichtig, sich ausdrücken zu können, Kontakt zu suchen. Oft bestehen allerdings sprachliche Defizite, die nur schwer oder gar keine Verständigung zulassen. Dann kommen modernste Hilfsmittel ins Spiel, und davon gibt es heute eine große Fülle. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich auszutauschen und mitzuteilen, also Kontakt mit anderen zu suchen. Kommunikation ist ein existenzielles Bedürfnis. Viele Menschen können aufgrund ihrer Behinderung aber nicht kommunizieren. Es gibt jedoch technische und elektronische Hilfen, die den Zugang zu diesem Grundbedürfnis ebnen. UK leistet dazu einen wertvollen Beitrag und unterstützt Partizipation, Inklusion und Selbstständigkeit.

„Jeder Fall ist individuell - vom Kleinkind in der Frühförderung bis hin zum Senior im Pflegeheim“, weiß Daniel Krasper. Der ausgebildete Ergotherapeut mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation kennt sich in diesem noch jungen Kommunikationsbereich aus, zumal er sich zusätzlich in einer Qualifizierung als Fachberater für Unterstützte Kommunikation befindet. Ganz frisch in der Branche ist hingegen Kevin Lukas. Der Fachinformatiker ist für die technische Seite von Verständigungsmöglichkeiten verantwortlich. Denn heutzutage gibt es alles bereits im Netz und damit auf Computerbildschirm, Laptop, Tablets oder mit sogenannten Talkern: Gebärden, Objekte, grafische Symbole oder elektronische Geräte mit Sprachsteuerung, Sprachausgabe oder Augensteuerung. Ohne Probleme kann jemand, der nicht sprechen kann, heute zum Beispiel sein Frühstück auf diese Weise bestellen.

Vor ihnen auf einem Tisch liegen jede Menge Materialien, von Bild-Karten über Symboltabellen, technischen Hilfsmitteln bis hin zu einem Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache, mit dem das UK-Team ständig arbeitet. Ganz wichtig steht für die Experten die Diagnostik am Anfang jedes Kontaktes. „Dafür braucht man wahnsinniges Fingerspitzengefühl“, sagt Kevin Lukas. Und für die Suche nach dem passenden Kommunikationsmittel sollte man sich Zeit nehmen, ebenso wie für das Erlernen und die Integration in den Alltag - das gilt für den Betroffenen wie für sein Umfeld.

Die vielfältigen Verständigungsmöglichkeiten sind heute zwar keine Frage des Alters mehr, denn Lernen kann man in jedem Alter, aber natürlich macht es Sinn, so früh wie möglich die verschiedenen Möglichkeiten der Kommunikation kennenzulernen, um sie gezielt anwenden zu können, sagt Daniel Krasper. Deshalb ist das Team auch demnächst überall unterwegs: Frühförderung, in Kindertagesstätten, im Hort oder in den Werkstätten und Wohneinrichtungen der Lebenshilfe.

Das Lebenshilfe-Team möchte sich gern mit anderen vernetzen, die ebenfalls mit Menschen mit Beeinträchtigungen lernen und arbeiten. Über die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e. V. besteht bundesweit die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches. Erst kürzlich weilten Daniel Krasper und Kevin Lukas auf einer solchen Veranstaltung. Gern würden sie aber auch in der Region ein übergreifendes Netzwerk aufbauen, über das beispielsweise Gebärdenkurse angeboten werden könnten. Sie verstehen sich darüber hinaus als Ansprechpartner für Angehörige von Betroffenen.

Ansprechpartner UK-Team:
Daniel Krasper
Kevin Lukas
Kontakt:
per E-Mail: d.krasper@lebenshilfe-ostfalen.de
per Handy: 0151/10864506
    

Sprachstörungen

Vorsorgeuntersuchungen sind hilfreich

Eltern sind Experten in eigener Sache Image 1
(ams) - Nicht jede Auffälligkeit ist gleich eine Störung. Sinnvoll ist, dass Eltern mit ihren Kindern die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.

Bei den kostenfreien Terminen können Ärzte Probleme bei der Sprachentwicklung frühzeitig erkennen. Je früher eine erkannt wird, desto erfolgreicher können Kinder in ihrer Sprachentwicklung unterstützt werden.

Eltern können außerdem die sprachliche Entwicklung ihres Kindes fördern, indem sie ihm viel Gelegenheit geben, sich mitzuteilen und zu unterhalten, unabhängig davon, wie viel es schon spricht. Macht das Kind Fehler bei der Aussprache oder beim Satzbau, sollten Eltern das Gesagte in der richtigen Form wiederholen, aber nicht das Kind zum Nachsprechen auffordern.

Wenn das Kind stottert, sollten sie dies nicht weiter beachten und kommentieren. Das gemeinsame Singen von Kinderliedern eignet sich ebenfalls, um spielerisch die Sprachentwicklung zu fördern.
  
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