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Sonderveröffentlichung

Ich liebe meine Altmark
Eine Großstadt mit wenigen Einwohnern

26.07.2019
Das Gardelegener Rathaus wurde 1241 erstmals urkundlich erwähnt, damals noch als Kaufund Schauhaus. Foto: Marco Heide
Das Gardelegener Rathaus wurde 1241 erstmals urkundlich erwähnt, damals noch als Kaufund Schauhaus. Foto: Marco Heide

Gardelegen bietet eine funktionierende Wirtschaft, Geschichte und Kultur

Die drei größten Städte Deutschlands sind Berlin, Hamburg und Gardelegen – auf die Fläche bezogen. Auch wenn die zwei Metropolen und die altmärkische Kleinstadt ansonsten nicht viel gemeinsam haben, muss sich Gardelegen nicht verstecken. Denn die Stadt atmet nicht nur Geschichte, sie hat es nach der Wende geschafft, ein attraktiver Wirtschaftsstandort zu werden. Der Automobilzulieferer Boryszew Kunststoff technik in Gardelegen ist mit rund 700 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in der Altmark. Neben der gut aufgestellten lokalen Wirtschaft profitiert die Stadt von ihrer Lage. 50 Kilometer westlich liegt Wolfsburg. In Richtung Osten sind es 35 Kilometer bist Stendal. Südlich von Gardelegen sind die starken Wirtschaftsstandorte Haldensleben (32 Kilometer) und Magdeburg (62 Kilometer) gut erreichbar. Das schlägt sich auch in der Erwerbslosenquote nieder, die im Bereich Gardelegen-Klötze mit 5,6 Prozent altmarkweit am niedrigsten ist.

Wie die meisten Städte in der Region hat Gardelegen mit seinen 49 Ortsteilen zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Das 1241 in einer Urkunde als Kauf- und Schauhaus erstmals erwähnte Rathaus steht inmitten der Altstadt auf einem dreieckigen Rathausplatz.

Die schöngegliederte spätgotische Backsteinfassade, die Arkaden mit Sterngewölbe an der Südseite, die reichgewölbten Innenräume, der Hausmannsturm mit doppelter Laterne und die Wappen an Ost- und Westseite machen das Haus zu einem der sehenswertesten Gebäuden der Stadt.

Die Kirche St. Nicolai ist eine der schönen alten norddeutschen Backsteinkirchen. Ursprünglich war sie eine romanische Basilika. Um 1300 wurde sie gotisch überbaut und Anfang des 16. Jahrhunderts mit weiteren Anbauten versehen. Am 15. März 1945 wurde die Nikolaikirche bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. Einige gerettete Stücke wurden in die Marienkirche gebracht, u. a. der Altar und das Taufbecken. Die Besichtigung der Kirche ist auf Anfrage bei der Tourist-Information möglich.

Aber auch die Ortsteile der Hansestadt haben einiges zu bieten. Die „Hirschburg“, das heutige Schloss in Letzlingen, wurde 1560 bis 1568 auf Befehl des Kurfürsten Georg von Brandenburg als Jagdschloss erbaut und ist das einzige erhaltene Hohenzollernschloss in Sachsen-Anhalt. Im 19. Jahrhundert entdeckte Friedrich Wilhelm IV. von Preußen das Schloss für sich und ließ es von Friedrich August Stüler im neogotischen Stil umbauen. Bis 1912 fanden in Letzlingen Hofjagden statt, die ein bedeutendes gesellschaftliches Ereignis darstellten.

Gutshof Zichtau ist Anziehungspunkt

Der Gutshof in Zichtau ist nicht nur ein historischer sondern auch ein kultureller Anziehungspunkt. Das Gut war mehr als 200 Jahre im Besitz derer von Alvensleben (ab 1466). Ein späterer Besitzer legte einen großen Landschaftspark an, der überregional Beachtung fand. Im Jahr 1945 konfiszierte die Rote Armee das Gelände. Ende der 90er-Jahre kaufte Hasso von Blücher das Areal und lässt es seitdem sanieren, sodass der Glanz Stück für Stück zurückkehrt. Seit 2009 wurden die Orangerie, der Kornspeicher und der Rinderstall grundlegend saniert und modernisiert. Die Parkanlage wird schrittweise wieder hergestellt. Viele kulturelle Veranstaltungen, Lesungen, Seminare, Ausstellungen, Konzerte und mehr finden auf Gut Zichtau statt.

Eine andere Art der Kultur, die überregionale Ausstrahlung besitzt, ist das „Metal Frenzy“-Festival. 2014 kamen zum ersten Mal Fans der harten Rockmusik auf einem Acker am Gardelegener Freibad zusammen. Die Macher schaff - ten es von Beginn an, weltbekannte Bands in die Altmark zu holen. Jedes Jahr wachsen die Besucherzahlen und die „Metal Frenzy“-Gemeinde wird immer größer. Damit trägt diese Veranstaltung ihren Teil dazu bei, den Einwohnern und Besuchern dieser ländlichen Region ein abwechslungsreiches Kulturprogramm zu bieten.

Beim Thema Kultur spielt unweigerlich der berühmteste Sohn der Stadt eine Rolle. Otto Reutter schaffte es als Komiker und Sänger am Anfang des 20. Jahrhunderts auf die großen deutschen Bühnen und vor die Filmkameras. Der gebürtige Gardelegener soll mehr als 1000 Couplets verfasst haben. Belegt sind etwa 400. Trotz seiner großen Bekanntheit war es sein Wille, nach seinem Tod in seiner Heimatstadt beigesetzt zu werden.

Das aktuelle Veranstaltungshighlight ist das jährlich stattfindende Hansefest. Vom 30. August bis 1. September strömen wieder Tausende Gardelegener und Besucher der Region in die Stadt. Marco Heide
  
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