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Gesundheit
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Hohe Übersterblichkeit und soziale Isolation

Pflege: Aktueller Pflege-Report 2021 gibt Auskunft

Viele Bewohner litten massiv unter der sozialen Isolation durch Corona. FOTO: STOCK.ADOBE.COM

30.09.2021

Die Sterblichkeit in Pflegeheimen ist in der ersten und zweiten Corona-Welle drastisch gestiegen. Viele Bewohner litten zudem auch massiv unter der sozialen Isolation. Das zeigt der aktuelle Pflege-Report 2021, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) Ende Juni veröffentlicht hat. Danach lag die Mortalität bereits drei Wochen nach Start des ersten Lockdowns im April 2020 um 20 Prozent über dem Niveau der Vorjahre. Von Oktober bis Dezember 2020 stieg die Übersterblichkeit auf 30 Prozent. In der Weihnachtswoche erreichte sie einen Spitzenwert von 81 Prozent. Über die Ergebnisse des Pflege-Reports und die notwendigen Konsequenzen diskutierten die Herausgeberinnen bei einer digitalen Veranstaltung mit Vertretern aus der Praxis.

„Die Infektionsschutzmaßnahmen während der Pandemie reichten nicht aus, um die im Heim lebenden pflegebedürftigen Menschen ausreichend zu schützen“, bilanzierte Dr. Antje Schwinger, Leiterin des WIdO-Forschungsbereichs Pflege und Mitherausgeberin des Reports. Auch die soziale Isolation mit Kontaktsperren und Besuchsverboten belastete die Pflegebedürftigen erheblich, wie eine Befragung des WIdO unter Angehörigen belegt. Demnach konnten 43 Prozent der Befragten die Pflegebedürftigen im ersten Lockdown nicht besuchen. Weitere 30 Prozent konnten es nur selten. 40 Prozent der Heimbewohner durften laut Auskunft der Bezugspersonen über Monate ihr Zimmer nicht oder kaum verlassen.

Isolation generell vermeiden

Zwei Drittel der Angehörigen bemerkten eine Verschlechterung der geistigen Fitness, der Beweglichkeit oder der psychischen Gesundheit der Pflegebedürftigen. Diese hätten unter Einsamkeit, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit gelitten. Die generelle Isolierung alter Menschen von der Außenwelt und ihren Angehörigen dürfe sich nicht wiederholen, forderte Schwinger. Es müsse untersucht werden, was verändert werden muss, um eine solche Situation künftig zu vermeiden und die Bewohner dennoch zu schützen. Notwendig sei ein breiter Diskurs, „was uns eine menschenwürdige Versorgung im Alter als Gesellschaft wert ist“, so die WIdO-Expertin. Die „im Eiltempo beschlossene jüngste Pflegereform“ könne „diesen Anspruch jedenfalls nicht erfüllen“.

Die Ergebnisse des Pflege-Reports sind Bestandteil des vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung geförderten Forschungsprojekts „Covid-Heim“, das die Charité Berlin in Kooperation mit dem WIdO durchführt. Die Analysen zeigten auch in den Vorjahren Phasen mit erhöhter Sterblichkeit. Ursache dürften Hitze- und Grippewellen sein, so das WIdO. (AOK)