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Kliniken 2020
Länger leben mit Kaffee?

28.09.2020
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Herz- und Kreislaufforscher sagen: Auf die Zubereitung kommt es an

Die Auswertung des Kaffeekonsums von mehr als einer halben Million Menschen legt nahe: Filterkaffeetrinker leben länger als Personen, die auf Kaffee verzichten. Ungefilterter Kaffee kann dagegen bei bestimmten Gruppen das Sterberisiko erhöhen.

Filterkaffee scheint das Risiko für Tod und Herzinfarkte zu senken. „Unsere Studie liefert starke, überzeugende Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Zubereitungsmethode von Kaffee, Herzinfarkt und einem langen Leben“, so Studienautor Prof. Dag Thelle von der Universität Göteborg in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology.

30-mal so viele cholesterinsteigernde Stoffe in ungefiltertem Kaffee

Vor rund 30 Jahren war Thelle an Studien beteiligt, die zeigten, dass das Trinken von Kaffee mit erhöhten Gesamt- und LDL-Cholesterinwerten assoziiert ist, sodass die Forscher von einer negativen Wirkung auf das HerzKreislauf-System ausgingen. Sie fanden heraus, dass sich die schädlichen Stoff e mit einem Filter entfernen lassen: Eine Tasse ungefilterter Kaffee enthält verglichen mit Filterkaffee etwa die 30-fache Konzentration der lipiderhöhenden Diterpene Kahweol und Cafestol.

„Wir haben uns gefragt, ob dieser Effekt auf das Cholesterin zu mehr Herzinfarkten und Todesfällen durch kardiovaskuläre Erkrankungen führen würde. Aber es war unethisch, Menschen entsprechend zu randomisieren. Deshalb erforschten wir in einer großen Studie ihre Kaffeekonsumgewohnheiten und können jetzt, einige Jahrzehnte später, darüber berichten“, erläuterte Thelle.
     
Filterkaffee ist besser als ungefilterter. Fotos: Stokpic/pixabay.com; Kaffeetastisch/pixabay.com
Filterkaffee ist besser als ungefilterter. Fotos: Stokpic/pixabay.com; Kaffeetastisch/pixabay.com
Die Forscher um Erstautor Dr. Aage Tverdal vom Norwegischen Gesundheitsinstitut analysierten Daten von fast 509.000 gesunden Erwachsenen im Alter von 20 bis 79 Jahren. Diese füllten Fragebögen zu Menge und Art des von ihnen konsumierten Kaffees aus.

Es wurden auch Daten zu möglichen Verzerrungsfaktoren wie Rauchen, Bildung, körperlicher Aktivität, Blutdruck und Cholesterinwerten erhoben, die in der Analyse berücksichtigt wurden.

Die Teilnehmer wurden durchschnittlich 20 Jahre lang nachbeobachtet. Rund 46.300 Personen starben, davon etwa 12.600 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wovon rund 6.200 Todesfälle auf einen Herzinfarkt zurückzuführen waren.

15 Prozent geringere Gesamtsterblichkeit bei Filterkaffeekonsum

Insgesamt war das Trinken von Filterkaffee sogar gesünder, als gar keinen Kaffee zu konsumieren: Es ging mit einem um 15% verringerten Sterberisiko einher. Zudem war Filterkaffeekonsum im Vergleich zu Kaffeeabstinenz mit einem niedrigeren Risiko für kardiovaskulär bedingten Tod assoziiert: Bei Frauen war es um 12% und bei Männern um 20% reduziert. Die niedrigste Sterberate beobachteten die Forscher bei Personen, die ein bis vier Tassen gefilterten Kaffee täglich tranken.

Dass die Filterkaffeetrinker besser abschnitten als diejenigen, die auf Kaffee verzichteten, könne nicht durch andere Variablen wie Alter, Geschlecht oder Lebensstil erklärt werden. „Wir glauben also, dass diese Beobachtung der Wahrheit entspricht“, resümierten die Forscher.

Filterkaffee schien auch verglichen mit ungefiltertem Kaffee Vorteile bezüglich Gesamt- und kardiovaskulärer Mortalität zu haben, laut der Studienautoren aufgrund der cholesterinsteigernden Wirkung von ungefiltertem Kaffee. Das Trinken von ungefiltertem Kaffee vergrößere das Sterberisiko im Vergleich zu Kaffeeabstinenz zwar nicht bei allem Menschen, bei Männern ab 60 Jahren gehe es jedoch mit einem erhöhten Risiko einher, an HerzKreislauf-Erkrankungen zu sterben.

Probanden könnten Gewohnheiten verändert haben

Möglicherweise liege das daran, dass manche Teilnehmer ihren Kaffeekonsum im Laufe der Nachbeobachtungszeit verändert haben könnten. „Wir glauben, dass einige Frauen und jüngere Männer, die ungefilterten Kaffee tranken, zu Filterkaffee wechselten, was die Assoziation mit der kardiovaskulären Mortalität abgeschwächt haben könnte, während ältere Männer weniger geneigt waren, ihre Gewohnheiten zu verändern“, erläuterte Thelle. Weitere Limitationen waren, dass die Forscher keine Informationen über die Größe der Tassen hatten. Auch Gewohnheiten wie den Kaffee mit Milch, Sahne oder Zucker zu trinken oder Süßigkeiten dazu zu essen, wurden in der Analyse nicht berücksichtigt. Es handelt sich lediglich um Beobachtungsdaten, sodass kein kausaler Zusammenhang bewiesen werden konnte. Trotzdem empfehlen die Autoren besonders Menschen mit hohem Cholesterinspiegel, auf ungefilterten Kaffee zu verzichten.

https://www.kardiologie.org, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.
    
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