Sonderveröffentlichung

Wirtschaft
Anzeige
Landrat sieht Harz auf Platz 1

Wirtschaftskraft im Harz

In wenigen Tagen wechselt Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski in das Landratsamt in Halberstadt. Ab dem 1. November ist er Landrat im Landkreis Harz. Foto: Thomas Balcerowski

23.10.2020

Thomas Balcerowski will Verwaltung hin zu einer Innovationsbehörde entwickeln

Thomas Balcerowski übernimmt am 1. November den Posten des Landrates im Landkreis Harz. Marco Heide sprach mit Thomas Balcerowski über die wirtschaftliche Lage in der Region und welche Vorhaben der künftige in Angriff nehmen will, um den Harz perspektivisch wirtschaftlich noch besser aufzustellen.

Volksstimme: Herr Balcerowski, wie beurteilen Sie die aktuell stark durch die Corona-Pandemie beeinflusste wirtschaftliche Lage im Harzkreis?

Thomas Balcerowski: Sie ist angespannt. Gerade für den touristischen Bereich war der Lockdown fatal. Zwar gab es während der Sommermonate und zum Herbstbeginn eine Erholung, doch durch den neuerlich verstärkten Ausbruch des Coronavirus könnte sich die Lage in der Hotelerie und Gastronomie wieder verschlechtern. Gerade zur Weihnachtszeit kamen in den Vorjahren viele Touristen in den Harz. Das werden wir in diesem Jahr nicht erleben.

Ein weiterer starker Wirtschaftszweig in unserer Region, die verarbeitende Industrie mit den Automobilzulieferern, hängt stark von der Weltkonjunktur ab. Wenn es dort eine Delle gibt, schlägt diese auch auf die Unternehmen im Harzkreis durch.

Welche Wirtschaftsbereiche sehen Sie im Harzkreis besonders gut aufgestellt?

Wir sind sehr gut in der verarbeitenden Industrie und im Tourismus aufgestellt. Wir werden auch in der Zukunft in diesen Bereichen gestärkt auftreten und Investitionen sehen. Auch im medizinischen Bereich sind Großinvestitionen angekündigt, die in den nächsten Monaten umgesetzt werden.

In welchen Wirtschaftsbereichen sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Wir sind Zentrum der Automobilzulieferer. Deshalb wird die Verkehrswende in der Region eine große Rolle spielen. Wir werden die Unternehmen als Verwaltung bei diesem Wandlungsprozess unterstützen. In diesem Bereich ist angestrengtes Arbeiten von allen Beteiligten angesagt.

Welche Themen wollen Sie als Landrat ab dem 1. November im Bereich Wirtschaft angehen?

Wir wollen die Investitionsfreudigkeit steigern. Da sehe ich Verbesserungspotenzial. Die Verwaltung soll dort beratend tätig werden. Außerdem will ich Netzwerke im Kreis zwischen den Fachleuten im Bereich der alternativen Energien und der verarbeitenden Industrie schaffen. Durch die CO2-Abgabe wird es für Produzenten immer wichtiger, weniger Kohlendioxid zu emittieren.

Wie kann Kommunalpolitik aus Ihrer Sicht die lokale Wirtschaft am besten unterstützen?

Die Kommunalpolitik kann dafür sorgen, dass Beratungsleistungen angeboten werden. Außerdem reicht es nicht, zu sagen, dass Unternehmen willkommen seien, man muss auch handeln. Ich werde ein neues Dezernat für Investitionen und Kreisentwicklung einrichten. Dort gibt es eine Abteilung Projektentwicklung. Wir wollen weg von einer Genehmigungsbehörde hin zu einer Innovationsbehörde, in der nicht das Haar in der Suppe, sondern Lösungen gesucht werden. Egal ob Klein- oder Großunternehmen, jeder soll die bestmögliche behördliche Unterstützung erhalten.

Wie kann das Land oder der Bund aus Ihrer Sicht die wirtschaftliche Entwicklung des Harzkreises unterstützen, welche Maßnahmen würden Sie sich wünschen?

Sie müssen Investitionshemmnisse beseitigen. Was Bund und Land an Verbandsklagen gesetzlich eingeräumt hat, ist nicht förderlich. Wir haben erst vor Kurzem 50 Jahre Seilbahn in Thale gefeiert. Ein derartiges Projekt wäre heute gar nicht mehr umsetzbar, da über den Klageweg eine Minderheit solche Großvorhaben vor Gericht bremsen und verhindern kann.

Außerdem ist in Deutschland die Ankündigungspolitik weit verbreitet. Es wird viel angekündigt, aber es kommt nicht zur Anwendung. Es wäre schön, wenn Bundes- und Landespolitiker einmal öfter ihren Elfenbeinturm verlassen würden, um zu sehen, wie ihre Vorhaben an der Basis umgesetzt werden.

Gibt es ein Großprojekt, dessen Umsetzung Sie sich in Ihrer Amtszeit wünschen?

Es gibt einige große Projekte, die in der Bearbeitung sind. Ich will aber keine großen Dinge ankündigen, ich will sie umsetzen. Das habe ich in meiner Zeit als Bürgermeister von Thale gelernt.

Wo sehen Sie den Harzkreis in fünf Jahren?

Ich sehe den Harzkreis in Sachsen-Anhalt auf Platz 1, was die Infrastruktur, die Arbeitslosenquote, das Pro-Kopf-Einkommen und den Bevölkerungszuwachs angeht. Die Corona-Pandemie kann dabei eine Chance für uns sein. Im Harzkreis ist die Infektionsgefahr niedriger als in den Großstädten. Außerdem ist die Kriminalitätsrate niedriger. Wir überlegen, diese Vorteile für eine Werbekampagne nach der Krise zu nutzen. Dazu kommt, dass wir den Breitbandausbau vorantreiben und nicht allein auf die Aktivitäten der Telekom warten wollen. Wenn man dann in fünf Jahren noch in Berlin oder Magdeburg wohnt, ist man selbst schuld.