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Wirtschaft
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Landrat sieht Harz vorn

INTERVIEW: Landrat Thomas Balcerowski

Landrat Thomas Balcerowski. FOTO: LANDKREIS HARZ

24.10.2021

Thomas Balcerowski übernahm vor einem Jahr den Posten des Landrates im Landkreis Harz. Dieter Kunze sprach mit ihm über die wirtschaftliche Lage, das bisher Erreichte und welche Vorhaben er künftig in Angriff nehmen will.

Volksstimme: Wie sehen Sie den Landkreis angesichts der Corona-Lage?

Thomas Balcerowski: 2021 – ein Jahr, das in Erinnerung bleiben wird. Neben der Überwindung der Folgen der Pandemie zählen auch die Veränderungen durch die Landtags- und Bundestagswahl, aber auch die zwingende Gestaltung der Energiewende aus dem Klimapaket oder der demografische Wandel zu den großen Herausforderungen an das Tagesgeschäft und an die strategische Planung der Zukunft. Die vielfältige Ausrichtung der regionalen Wirtschaft, des Handwerkes und Handels als auch die originären Standbeine der Harzer Gastronomie und des Tourismus geben mir aber die Zuversicht, dass der Landkreis Harz diese Hürde meistern wird.

Wie konnte sich in dieser Zeit der Tourismus entwickeln?

Der Landkreis Harz ist mit Abstand die Nummer eins im Land, wenn es um das touristische Aufkommen geht. Ein Drittel aller Ankünfte als auch der knapp sechs Millionen Übernachtungen in Sachsen-Anhalt werden hier bei uns im Harzkreis erbracht. Die Übernachtungsdichte ist fast viermal so hoch wie im Landesdurchschnitt. Dank einer intakten und vielfältigen Landschaft ist die Gesundheits- und Sozialwirtschaft mit ihren vielen Einrichtungen im Landkreis Harz von großer Bedeutung.

Welche Schwerpunktaufgaben sehen Sie aktuell?

Wir müssen Prioritäten setzen und dürfen uns mit dem Landesmaßstab nicht zufriedengeben. Moderne Antriebsarten wie Elektromobilität führen zu tiefgreifenden Änderungen in der Automobilbranche. Standortfragen und Arbeitsplatzabbau verlangen gesellschaftliches sowie umweltpolitisches Agieren. Wir sind gefordert, mit intelligenten Lösungen einem anhaltenden Abwanderungsprozess entgegenzuwirken. Demgegenüber steht allerorts ein Mangel an Fachkräften. Diesen Widerspruch müssen Unternehmen, Politik, Verwaltungen und alle gesellschaftlichen Akteure lösen. Eine gut florierende Wirtschaft ist Grundlage für jeden Wohlstand. Neue Wege gehen, Unternehmer unterstützen und begleiten - dabei das Wohlergehen der Bürger nicht aus dem Blick verlieren.

Welche Schwerpunktvorhaben konnten beispielsweise im Bereich Tourismus angeschoben werden?

Mit 11,7 Millionen Euro für das Harzer Bergtheater Thale und den Hexentanzplatz erhält die Tourismuswirtschaft einen großen Investitionsschub. Das Land unterstützt die Vorhaben mit insgesamt 9,2 Millionen Euro. Das Harzer Bergtheater gehört zu den ältesten Naturtheatern Deutschlands und hat 1 350 Sitze. Um künftig mehr Besucher empfangen zu können, soll nun die Zuschauerkapazität auf 1 900 Sitze erweitert und das Theater technisch modernisiert werden. Der Hexentanzplatz soll räumlich neu gegliedert werden und ein attraktives, für die Region typisches, Gesamtdesign mit vielen architektonischen „Blickfängen“ und Kleinattraktionen erhalten.

Das Schloss Wernigerode ist eines der repräsentativsten und geschichtsträchtigsten Ensembles der Stadt und landesgeschichtlich prägend. Ab 2022 soll mit einer Förderung von circa 10 Millionen Euro für die „generationengerechte Zugänglichkeit und Attraktivierung des Museums„ umgesetzt werden. In Thale steht der Bau des Parkhotels mit einem Investitionsumfang von 10 Millionen Euro auf dem Plan. Die Glasmanufaktur Harzkristall Derenburg wird mit 500.000 Euro für einen neuen Brennofen gefördert.

Können Sie ein weiteres Beispiel aus der regionalen Wirtschaftsförderung nennen?

Qualität, Regionalität und Tradition – mit diesem Erfolgsrezept befindet sich die Harzer Mineralquelle Blankenburg GmbH kontinuierlich auf einem erfolgreichen Wachstumskurs. Allein zwischen 1998 und 2020 konnte das Unternehmen die Zahl der Flaschenfüllungen von 16 auf 95 Millionen steigern. Das Unternehmen investiert deshalb rund 2 Millionen Euro in moderne Produktionstechnik. Wirtschaftsminister Armin Willingmann überreichte dem Unternehmen einen Förderbescheid über 820.000 Euro. Ziel des Unternehmens ist es, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu produzieren. Auch die Siebdruck Gernrode GmbH erhielt Fördermittel für den Maschinenpark von rund 1 Million Euro.

Die Digitalisierung gehört zu den dringendsten Zukunftsaufgaben. Wie wird dies in der Schulbildung berücksichtigt?

Im Rahmen des Förderprogramms „DigitalPakt Schule“ sind in der Kreisverwaltung die Bewilligungsbescheide für Fördermittel in Höhe von 1 629 100 Euro für zwölf Schulstandorte im Landkreis Harz eingegangen. Mit diesen Mitteln werden vorwiegend die strukturierte Verkabelung in allen Schulgebäuden erneuert oder verbessert sowie Servertechnik und WLAN-Komponenten für alle Schulgebäude angeschafft. Bis zum Jahr 2024 wird der Landkreis Harz durch das Förderprogramm circa 7,5 Millionen Euro in die digitale Infrastruktur investieren. Alle Schulen inklusive der Lehrkräfte und Schüler haben bereits Zugriff auf eine eigene Cloud und E-Mail-Lösung erhalten. Zusätzlich wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Bildungsmedien im Landkreis zu digitalisieren und über das Internet allen Schulen zur Verfügung zu stellen.

Gesundheit liegt vielen am Herzen. Welche Entwicklungen sind hier der Landkreis abzusehen?

Dem Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben ist in Wernigerode ein modernes Klinikgebäude übergeben worden. Nach rund vierjähriger Bauzeit und für knapp 34 Millionen Euro ist ein Gebäude entstanden, das von der Radiologie, der Kinderklinik, der Intensivstation und der Neurologischen Klinik genutzt wird. So befinden sich große Bereiche der Diagnostik und Therapie unter einem Dach. Zusätzlich wird in den nächsten Monaten in unmittelbarer Nähe des Neubaus auch eine neue Notaufnahme errichtet.

Erst kürzlich gab es in Schierke einen bedeutenden Spatenstich. Was ist dort geplant?

Die Investitionen im Wernigeröder Ortsteil Schierke gehen weiter. Am 11. Oktober war der erste Spatenstich für die Erschließungsstraße somit gleichzeitig der Auftakt für einen weiteren touristischen Meilenstein: Auf dem Gelände des ehemaligen Hotels Wurmbergblick soll für rund 33,6 Millionen Euro ein Familienhotel mit Ferienhäusern, Parklandschaft sowie Spa- und Wellnessbereich entstehen. Das Land unterstützt das Vorhaben mit 6,1 Millionen Euro.