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Sonderveröffentlichung

Leben mit Behinderung
Mit dem Marathonlauf gemeinsam ins Ziel

02.12.2019
Foto: Cecilienstift
Foto: Cecilienstift

Eine stechende Lunge, brennende Oberschenkel und das Gefühl, alle Lasten des Alltags losgeworden zu sein – dieses Gefühl kennen Marathonläufer allzu gut. Alle laufen los, das gleiche Ziel vor Augen, alle sind anders und doch so gleich. Niemanden interessiert es, ob du lesen, schreiben oder rechnen kannst. Es zählt nur die gemeinsame Leidenschaft: das Laufen.

Am 20. Oktober 2019 um 6.30 Uhr startete Robert Stark in sein großes Abenteuer: den 16. Magdeburger Marathonlauf. Für Robert war es die erste größere Laufveranstaltung. Bisher nahm er an Sport-Events der Diakonie Werkstätten für Menschen mit Behinderung teil, oder auch an den Benefizläufen in Halberstadt.

2017 entstand eine kleine Laufgruppe des Cecilienstift-Außenwohnens, in dem Robert lebt. Gemeinsam trainierten wir regelmäßig im Park und Wald. Nachdem Robert 2018 erfuhr, dass ich in Berlin einen Marathon laufen würde, wurde er hellhörig. Er war sehr interessiert und stellte viele Fragen, schaute sich den Lauf im Fernsehen an und war hin und weg von den Massen an Läufern und der Stimmung. Für Robert stand fest: „Irgendwann lauf ich sowas auch mal“.

In diesem Jahr war es endlich soweit, und wir planten erst einmal „nur“ einen Halbmarathon in Magdeburg. Fast wöchentlich besuchte mich Robert, um mich zu fragen, wie lange es noch dauere, bis wir endlich nach Magdeburg fahren und wieviel er diese Woche laufen müsse, um den Halbmarathon zu schaffen und ob es schlimm wäre, dass er gestern ganz viel Schokolade gegessen hat.

21 Kilometer haben wir uns vorgenommen. Die Zeit war uns nicht wichtig, wir wollten einfach Spaß haben. Nachdem wir in Magdeburg angekommen sind und unsere Startunterlagen in den Händen hielten, setzte die Nervosität bei uns beiden ein. Alle Läufer versammelten sich in der Messehalle, wir kamen mit anderen ins Gespräch. Robert genoss die Aufmerksamkeit und dazuzugehören. Alle wünschten sich gegenseitig Glück und jede Menge Spaß.

Mit toller Musik und motivierenden Worten des Moderators fiel um 9.55 Uhr der Startschuss für uns. Roberts Grinsen wurde immer breiter, wir gaben uns einen kräftigen Handschlag und liefen los, immer entlang der Elbe. Bei Kilometer 20 wurde Robert klar, dass er es schaffen würde. Nach 2 Stunden 33 Minuten beendete er seinen allerersten Halbmarathon und posierte für die Kameras im Zielbereich. Stolz schaute er mich an und sagte: „In zwei Jahren laufen wir in Berlin“.

Christin Bartsch-Felsche,
pädagogische Betreuerin im Cecilienstift
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