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Sonderveröffentlichung

Ich liebe meine Altmark
„Tot wird Reutter niemals sein“

26.07.2019
Otto Reutter ist Gardelegens berühmtester Sohn und scharfsinniger Autor von mehr als 1000 Couplets. Foto: ELITE Berlin
Otto Reutter ist Gardelegens berühmtester Sohn und scharfsinniger Autor von mehr als 1000 Couplets. Foto: ELITE Berlin

Geschichte

Als Friedrich Otto August Pfützenreuter wird er am 24. April 1870 in der „Altmärkischen Bierstube“, Sandstraße 10 in Gardelegen als Sohn des Ulanensoldaten und späteren handlungsreisenden Andreas Pfützenreuter und Wirtstochter Emilie Fischer geboren (sein Geburtshaus wurde mittlerweile abgerissen). Von 1876 bis 1884 besucht er die einklassige Volksschule, danach folgt auf Wunsch des Vaters die Kaufmannslehre. Doch Otto will kein „Heringsbändiger“ werden, bricht zwei Lehren ab und bringt erst die dritte zu Ende. Vor seiner ersten Anstellung in der Uckermark flüchtet er nach Berlin – Ziel seiner Träume. Dort schlägt er sich als Statist durch, verbringt Weihnachten 1887 sogar im Obdachlosenheim, arbeitet zeitweise als Kurier, Tischler und Komparse im American Theater in Berlin. Er nennt sich jetzt Otto Reuter. Dort wird der, mit 20 Jahren noch nicht volljährige Otto, allerdings vom wütenden Vater nach Gardelegen zurückgeholt. Neue Anstellung 1890, er schreibt auf Wunsch seines Chefs klassische Werke um, vier Dramen entstehen, für die sich später schämt.

April 1893 Debüt im komischen Fach in Karlsruhe, zunächst als einer der „Karlsruher Volkssänger“. 1895 das erste Engagement in der Schweiz kurz danach in Dresden. Von da an verarbeitet er aktuelles Tagesgeschehen sofort in seinen Couplets – eine Sensation. Es folgen Auftritte in Düsseldorf, Hamburg und Köln. Mitten im Engagement stirbt 1895 Mutter Emilie. Er darf nicht zur Beerdigung - und vergisst das dem Theaterdirektor nie.

1896 werden die ersten Notenausgaben beim Verlag Otto Teich, angezeigt. Er heiratet Olga Nock, Sohn Otto jun. wird geboren. 1904 lässt er sich scheiden. Es folgen mehrere Geliebte, er wird 1915 noch mal Vater einer unehelichen Tochter (Charlotte), im Testament nennt er ein zweites uneheliches Kind. 1916 stirbt Sohn Otto in der Schlacht von Verdun.

Im April 1897 wird er zu Otto Reutter. Nach einem Rechtsstreit mit dem Künstler Martin Reuter muss er ein zweites „t“ einfügen. Reutter ist mittlerweile bekannt, bekommt Traumgagen. 25. April 1899 einziges Konzert in Gardelegen, er stiftet die Einnahmen für das Kriegerdenkmal. Zu Silvester 1899/1900 spielt er ein Konzert im Wintergarten Berlin. Reutter zieht nach Berlin. 1901 entsteht die erste nachweisbare Aufnahme auf Schallplatte.

Ende 1918 kauft Reutter in Gardelegen eine Villa, die Waldschnibbe, heiratet kurz darauf Evi Bendrin, seine Sekretärin und Geliebte. Die Villa wird 1929 wieder verkauft. Reutter zieht wieder nach Berlin. Am 1. März 1931 hat er in Düsseldorf seinen letzter Auftritt. Voller Freude und Elan war Otto Reutter Ende Februar 1931 nach Düsseldorf gereist. Vom 1. März an will der Humorist zwei Wochen lang im Apollo-Theater auftreten und sein Publikum in gewohnter Manier unterhalten. Doch statt der Freuden- und Lachtränen wurden nur zwei Tage später Tränen der Trauer vergossen. „Tückische Herzkrämpfe setzten das Herz des unentwegten und so lebendigen größten deutschen Volkshumoristen in Düsseldorf still: Otto Reutter schloss seine Augen zum letzten Schlaf“, schreibt der Gardelegener Kreisanzeiger in seiner Ausgabe vom 5. März.

Während seiner Ankunft in Düsseldorf soll er schon über Unpässlichkeiten geklagt haben, Abends des Folgetages gegen 11 Uhr ist Reutter, der bei vollem Bewusstsein war, entschlafen“, heißt es im Bericht der Gardeleger Lokalzeitung. Der Autor erinnert in seinem Artikel auch an das Festbankett im Berliner Wintergarten, das im Jahr zuvor anlässlich des 60. Geburtstages Reutters im April 1930 stattfand. Dort soll der Coupletsänger gesagt haben: „Einmal noch werden mir meine Freunde duftenden Blumen und herrliche Kränzen widmen. Aber dann sehe ich nichts mehr davon...“ Im Nachruf steht: „Ein Einziger ist von uns gegangen und diese Augen, die ihren Zauber über Tausende hinwegstreuen konnten, haben sich auf immer geschlossen. Leben aber wird in allen deutschen Gauen die Erinnerung an den großen Humoristen und Schriftsteller Otto Reutter, vor allem aber in seiner Vaterstadt Gardelegen, wo ihm die letzte Ruhestätte bereitet werden soll. Und am Ende heißt es: „Tot wird Reutter aber niemals sein, und seine Couplets werden fortleben - zum Teil als Fundgrube für Autoren kommender Zeiten.“

Reuter hinterlässt mehr als 1000 unvergessliche Couplets, die meisten sind noch heute sehr sind. (VS)

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Beetzendorf in der Altmark 

Foto: stock.adobe.com
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Foto: Pixabay
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