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Gesundheit
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Trauer oder schon Depression?

Untersuchung: Experten sagen: Ähnliche Gefühle, aber andere Gedanken

Die Gefühle von Trauer oder Depression sind ähnlich, aber die Gedanken sind anders. FOTO: STOCK.ADOBE.COM

30.09.2021

Ist das noch normale Trauer oder bin ich depressiv? Das fragen sich Menschen, die nach einem Todesfall länger leiden als sie selbst und auch ihr Umfeld es erwarten.

Wissenschaftler der Universität Würzburg haben festgestellt: Die Gefühle sind ähnlich, aber die Gedanken sind anders. Nach dem Tod einer nahen Bezugsperson erleben etwa 90 Prozent der Hinterbliebenen normale Trauerreaktionen. Selbst wenn die Trauer nicht besonders stark ist und nicht sehr lange andauert, suchen manche in dieser Zeit einen Arzt auf. Nicht selten diagnostiziert dann der Arzt eine Depression und verordnet ein Antidepressivum.

Mediziner der Universität Würzburg haben nach dem Unterschied zwischen Trauer und Depression gesucht. An ihrer Studie nahmen mehr als 400 Personen teil, die meisten von ihnen waren verwitwet oder verwaiste Eltern. Sie haben dabei ihr Erleben nach dem Verlust einer ihnen nahestehenden Person anhand eines Fragebogens speziell zur Erfassung von Trauerreaktionen beschrieben. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler verschiedene Komponenten des Trauerns messen. Zusätzlich haben die Teilnehmenden einen Fragebogen ausgefüllt, der standardmäßig zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, eine Depression zu erfassen.

Trauer unterscheidet sich von Depression

Die statistischen Analysen zeigen, dass eine eng gefasste Vorstellung von normaler Trauer, die allein auf Beeinträchtigungen im Denken und Fühlen ausgerichtet ist, große Ähnlichkeit mit einer Depression hat, sagen die Wissenschaftler. Lege man aber ein umfassenderes Bild von Trauern zugrunde, erweise sich Trauer als eine Reaktionsform, die sich deutlich von Depression unterscheidet. Dabei geht es auch um die Nähe zur verstorbenen Person, die Sehnsucht nach ihr, Schuldgefühle sowie positive Aspekte der Trauererfahrung. Für alle im Gesundheitswesen Tätigen ergibt sich demnach die Schlussfolgerung, sich ausführlich mit Menschen in Trauer zu befassen. Dabei sollte man nicht ausschließlich auf Kummer und gedrückte Stimmung achten, sondern auch auf Schuldgefühle und das Empfinden der Nähe zur verlorenen Person.

Wenn der Todesfall bereits länger zurückliegt, gibt es weitere Merkmale, die nur für Trauernde gelten, nicht hingegen für Depressive: die Weiterentwicklung der Persönlichkeit und eine Zunahme von Empathie für andere Menschen. Als Leitschnur für die diagnostische Einordnung von Menschen nach einem schwerwiegenden Verlust kann gelten, dass Trauernde und Depressive sich in ihren Gefühlen ähneln, sich hingegen in ihren Gedanken unterscheiden, betonen die Wissenschaftler. Aber gerade unter den Bedingungen, unter denen Menschen in Zeiten der Pandemie sterben und Abschied genommen werden muss, sei der differenzierte Umgang mit Trauer und Depression noch wichtiger als sonst. (dgk)