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Urlaub auf sechs Metern

Caravaning: Unsere Autorin war mit ihrer Familie das erste Mal im Wohnmobil unterwegs. Auf ihrer Tour hat sie einiges gelernt.

Handbremse anziehen, Dach ausfahren, Stühle raus - und schon hat die ganze Familie Urlaub. Fotos: Jessice Quick, imago/Michael Gstettenbauer, dpa

25.04.2022
Hagemann - der Full-Service Partner

Mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein, liegt weiterhin im Trend. 81.420 Neuzulassungen gab es 2021 laut Caravaning Industrie Verband. Das sind noch einmal 4,3 Prozent mehr als im Boom-Jahr 2020. Kein Wunder, denn gerade in Zeiten von Corona gilt das Caravaning als Freiheit auf vier Rädern: unterwegs in der eigenen kleinen Kohorte, unabhängig von Hotels, Zugfahrten oder Flügen. Höchste Zeit, das kleine Abenteuer einmal selbst auszuprobieren. Als Camping-Anfängerin schwirren einem etliche Fragen durch den Kopf. Und ja klar: Hinterher ist man immer schlauer.

Erklärungstour durchs fahrbare Haus

Ein Wohnmobil ist nicht einfach nur ein Auto, dass man sich ausleiht. Hier gibt es viel mehr Knöpfe, Tanks und Klappen, für die Neulinge unbedingt eine ausführliche Einführung einplanen sollten. In unserem Fall dauert die etwa eine Stunde. Thomas Albrecht von „Hannes Camper“ weiht uns geduldig in alle Details des kompakten Kastenwagens von Pössl ein: Benzintank hier, Frischwassertank da, so lässt man das Abwasser – das sogenannte Grauwasser – raus, hier stehen die Gasflaschen, Markise einmal raus, einmal rein.

Wie sieht es im Inneren des Wohnmobils aus? Erstaunlich geräumig! Vier Sitzplätze, Heizung, Kühlschrank, Küche, Mini-Dusche mit WC. Wenn wir wollen, können wir Fahrräder mitnehmen? Beim nächsten Mal vielleicht. Ansonsten braucht es tatsächlich nichts, außer einen Führerschein. Das Wohnmobil ist vollgetankt, die elf-Kilo-Gasflasche inklusive, Geschirr, Campingtisch und Stühle werden bereitgestellt. Niedlich: Das Bettlaken ist liebevoll als Geschenk verpackt und für das erste Frühstück in der Natur hat uns Thomas ein kleines Glas Kirschmarmelade mit eingepackt.

Mitgebracht haben wir nur unsere sieben Sachen, die sich über dem Bett in kleine Schränke sortieren lassen. Das eigene Bettzeug landet erstmal eingetütet unter dem Bett. Apropos: Alles in kleinen Tüten zu verpacken, macht sich besser als in großen Koffern. Denn Stauraum gibt es zwar, aber eben nicht so viel wie in einem Hotelzimmer. Deswegen haben die Kinder ihr Spielzeug in einer Kiste dabei, die rutschfest unterm Tisch Platz findet. Es kann losgehen.

Für einen Kastenwagen ist das Auto erstaunlich wendig, wie ich feststelle – und so modern. Was am Konzept von „Hannes Camper“ liegt. Alle Fahrzeuge sind nicht älter als zwei Jahre und damit so gut wie neu. So macht das Mieten besonders Freude. Als Fahrerin habe ich mich schnell an die sechseinhalb Meter Länge gewöhnt. Nur die Kids sind etwas enttäuscht: Sich im Wohnmobilbett zum Dösen hinzulegen, ist beim Fahren tabu. Genau wie wir, müssen sie sich hinsetzen und anschnallen.

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Campingplatz oder mitten in der Natur

Wie praktisch die verriegelbaren Schranktüren sind, merkt man erst bei der Fahrt. Oha, wer hat das Glas Wasser auf der Küchenablage stehen lassen? Wir müssen uns wohl erst noch daran gewöhnen, dass unser Haus jetzt rollt. Alles (!) muss gut befestigt werden, damit die Ladung dort bleibt, wo sie hingehört.

Für unsere Übernachtungen wollen wir beides testen: Organisiert auf dem Campingplatz, aber auch einfach mal ohne Strom und Wasser – quasi in freier Natur – übernachten. Unser erstes Ziel: „Campingplatz Rabenstein“ in der Nähe von Chemnitz. Ein Stellplatz ist schnell gefunden, der Stromanschluss direkt daneben. Licht funktioniert, Heizung auch.

Die erste Nacht im Camper steht an: Zum Schlafen passen wir zu dritt bequem in das Bett. Eine Matratze gibt es für die vierte Person, die sich auf Fahrer- und Beifahrersitz legen lässt. Perfekt ist unser Wohnmobil für zwei Personen, ein Kind ist auch kein Problem. Zu viert hingegen, sind drei Nächte allerdings ausreichend. Wer länger unterwegs ist, sollte zu einem größeren Modell greifen, etwa den Pössl 2Win Plus mit Hochdach, der ist mit vier vollwertigen Betten ausgestattet.

Zum Schlafen lassen sich alle Fenster verdunkeln. Gott sei Dank. Auch Fliegengitter sind vorhanden. Also alles perfekt. Gute Nacht.

Am zweiten Tag starten wir in Richtung Bautzen zum Alpakahof Jüschke. Inhaber Steffen Jüschke hat sich im Netzwerk von „Stadt Land Bus Camping“ registrieren lassen, ganz privat. Direkt vor seinem Haus gibt es für unser Wohnmobil Platz: mitten im Grünen, mit Blick auf die Alpakas und fernab von anderen Campern. Wunderbar. Zum Abendbrot kochen wir in unserer Miniküche Nudeln mit Tomatensoße. Der Esstisch lässt sich ausklappen, Fahrer und Beifahrersitz um 180 Grad drehen, so dass wir alle vier Platz haben. Das Wohnmobil schafft die Nacht auch ohne externen Strom und Frischwasser. Auch wenn Steffen Jüschke gerade einen Strom-Anschluss baut, wir wollten es einfach mal testen. Alle zwei, drei Tagen müsse man für Strom und Frischwasser einen Campingplatz anfahren, hatte uns Thomas von „Hannes Camper“ erklärt.

Das Frühstück im Grünen unter der Markise müssen wir leider verschieben. Es regnet. Schade. Eine kurze Wanderung mit den Alpakas lassen wir uns dennoch nicht entgehen.

Abwasser raus, WC-Kassette spülen

Für den dritten und letzten Tag unserer Minitour muss wieder ein Campingplatz her. Denn hier gibt es Vorrichtungen, um den Abwasserbehälter und die WC-Kassette zu entleeren. Am „Natur- und Abenteuer-Camping Stausee Bautzen“ ist auch die Sonne wieder da. Hier auf dem Fünf-Sterne-Ressort – ja, es gibt auch für Campingplätze Sterne – genießen wir die letzte Nacht und vor allem das letzte Frühstück: Endlich können wir die Markise ausfahren, an der Wäscheleine trocknen die feuchten Sachen.

Bequem ist am Ende übrigens sogar das Entleeren von Abwasser und WC-Kassette. Für das Abwasser – also das Wasser vom Abwaschen, Zähneputzen, Duschen – fährt man direkt über eine Art Gulli, öffnet einfach einen Hebel am Fahrzeug, das Wasser fließt ab, fertig. Die WC-Kassette lässt sich von außen leicht rausnehmen. Wie mit einem kleinem Rollkoffer geht’s dann zur Camping-Entsorgungsstation zum ausleeren. Jessica Quick