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Von der Jagdpfalz zur Moderne

Abriss der Entwicklungsgeschichte der Ilsestadt

Deer Glockenturm der Klosterkirche St. Peter und Paul überragt das Gesamtensemble der Klostergebäude. FOTO: JÖRG NIEMANN

8.09.2021

Auf ein stolzes Alter kann die Stadt Ilsenburg zurückblicken. Mindestens 1026 Jahre ist die heutige Stadt alt, mit großer Wahrscheinlichkeit kommen noch ein paar Jährchen dazu, denn der jetzt zu feiernde „Geburtstag“ ist nicht wirklich der Gründungstag der Stadt. Der Anlass der Feier ist in der gegenwärtig bekannten ältesten urkundlichen Erwähnung der Stadt begründet.

Und eben diese Urkunde datiert vom 7. Juli 995. In ihr wird von einer Jagdpfalz „Elysynaburg“ berichtet. Und kein geringerer als der deutsche König Otto III., Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, unterzeichnete diese während eines Aufenthalts auf seiner Burg an der Ilse, als er dem benachbarten Kloster Drübeck seinen Schutz beurkundete. Weitere Urkunden aus dieser Zeit sind kaum vorhanden, und so sind Geschehnisse in den Folgejahren für Ilsenburg kaum belegt.

Doch das änderte sich mit dem neuen Jahrtausend. Otto III. starb im Jahre 1002, sodass der Bischof von Halberstadt sich beim Nachfolger, König Heinrich II., wegen der schriftlichen Beurkundung nochmals bemühen musste. Sie erfolgte am 15. April 1003 in der Pfalz Allstedt. Heinrich II. übergab die Burg dem Bischof von Halberstadt zur Gründung des Benediktinerklosters Ilsenburg. Auf dem Ilsestein wurde danach eine neue Reichsburg erbaut, die jedoch 1107 völlig zerstört wurde.

Das in der Umgebung des 1525 im Bauernkrieg verwüsteten Klosters entstandene Dorf entwickelte sich Ende des 16. Jahrhunderts zum Flecken in der Grafschaft Wernigerode. 1545 wurde eine Eisenhütte mit zwei Hochöfen errichtet, die 1697 von Zar Peter I. besichtigt wurde. Ilsenburg entwickelte sich zu einer wohlhabenden Gemeinde, die am Ende des Dreißigjährigen Krieges Residenz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode wurde. Diese verlegten ihren Hofhaltungssitz erst 1710 zurück nach Wernigerode.

Ilsenburg Ausgang für Brockenaufstieg

Wirtschaftlich wurde Ilsenburg ein immer bedeutenderer Standort, und die damals aufstrebende Hüttenindustrie blühte auf. Dank des Erzes aus den Harzer Bergen und der aus den Harzer Bäumen gewonnenen Holzkohle wurden die Grundlagen gelegt.

Ilsenburg wurde besonders durch die Produktion von Ofenplatten und den Kunstguss weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts hin entwickelte sich auch der Tourismus in der Ilsestadt. Laut Wikipedia besuchten im Jahr 1893 etwa 2400 Urlauber den Ort. Ursächlich dafür soll auf der im Jahr 1884 erfolgte Anschluss Ilsenburgs an das Bahnnetz gewesen sein. Heute wird diese Touristenzahl locker an einem Tag erreicht, denn zu Hotel- und Ferienhausgästen kommen immer mehr Tagestouristen, die Ilsenburg gern als Ausgangspunkt für einen Brockenaufstieg nutzen.

Am 31. Oktober 1947 wurde Ilsenburg die Bezeichnung Luftkurort und in Würdigung seiner wirtschaftlichen Bedeutung und als wichtiges Erholungszentrum am 1. Januar 1959 das Stadtrecht verliehen. Der Namenszusatz (Harz) wurde am 1. Februar 2007 offiziell dem bisherigen Namen hinzugefügt.

Zum 1. Juli 2009 wurde die Stadt Ilsenburg durch eine Gemeindegebietsreform in Sachsen-Anhalt um die Ortsteile Darlingerode und Drübeck erweitert. Alle drei Orte gelten seitdem als Einheitsgemeinde und die Stadt Ilsenburg zählt nun knapp 10000 Einwohner – Tendenz steigend, wie es für den Osten der Bundesrepublik nicht gerade alltäglich ist.

Neue Unternehmen angesiedelt

Auch wirtschaftlich ging es mit der Stadt Ilsenburg bergauf. Zwar existieren einstige Wirtschaftsmotoren wie die traditionsreiche Fürst-Stolberg-Hütte nur noch als historische Relikte, aber rund um die Stadt haben sich neue Unternehmen angesiedelt, die Ilsenburg wieder zu einem angesehenen Industriestandort gemacht und tausenden Menschen Arbeit gebracht haben. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, wie sich an aktuellen Investitionen zeigt.

Allein die Salzgitter AG hat für etwa 150 Millionen Euro eine neue Produktionsstätte gebaut und auch weltweit tätige Unternehmen wie ThyssenKrupp investieren weiter in Ilsenburg und da ganz speziell in neue Technologien.

Profitiert hat die Ilsestadt in diesem Zusammenhang auch von der Autobahn A 36. Mit ihr kommen Touristen, aber auch Arbeit in die Stadt.